Wenn du heute in ein Kaufhaus gehst, siehst du tausende identische Tassen. Makellos rund, perfekte Farbe, fehlerfrei. In der japanischen Ästhetik gilt etwas Makelloses oft als leblos.
Die Spuren des Feuers (Yohen)
Echte, im traditionellen Holzofen gebrannte Keramik kontrolliert man nicht vollständig. Man übergibt das Tongefäß dem Feuer. Wo die Asche im Ofen auf die Tasse fällt, entsteht eine natürliche, unvorhersehbare Ascheglasur. Solche Stellen nennt man Yohen – die Farbwechsel, die durch das Feuer entstehen.
Der bewusste Fehler
Ein Töpfermeister formt die Tasse auf der Scheibe oft bewusst leicht unrund. Eine dezente Delle, in die sich dein Daumen sanft hineinlegen kann. Diese kleine 'Abweichung' ist es, die aus einem toten Gegenstand einen Gegenstand mit Charakter und Seele macht.